Watergate und die Auferstehung Jesu Christi

Charles (Chuck) W. Colson
promovierter Jurist und ehem. Sonderberater (ab 1969) des 37. US-amerikanischen Präsidenten Richard M. Nixon während der Watergate Affäre 1972/1973

Es liegt in der Natur von Verschwörungen, daß sie zusammenbrechen

Obwohl das mächtigste Amt der Welt auf dem Spiel stand, konnte selbst eine kleine Truppe von handverlesenen Loyalisten - nicht mehr als zehn von uns - eine Verschwörung nicht länger als zwei Wochen geheimhalten.
Jeder von uns Beteiligten - Ehrlichman [John Ehrlichman - Nixons Chefberater für innere Angelegenheiten], Haldeman [H. Robert Haldeman - Stabschef des Weißen Hauses], Mitchell [John N. Mitchell - US-Justizminister] und die anderen - glaubten leidenschaftlich an Präsident Nixon. Um für ihn in den Regierungsdienst zu treten, hatten wir sehr lukrative private Anwaltskanzleien und andere Karrieren aufgegeben; wir hatten unser Familien- und Privatleben geopfert; wir hatten alles in die Arbeit investiert - wenn nötig, vierundzwanzig Stunden am Tag. Vor nur wenigen Monaten war der Präsident in einem überwältigenden Sieg wiedergewählt worden [1972 schlug Nixon den Herausforderer George McGovern und wurde mit sehr großer Mehrheit bestätigt. Er erhielt über 60 Prozent der Stimmen und gewann die Mehrheit in allen Bundesstaaten außer Massachusetts]; der häßliche Krieg in Asien [in Vietnam] war endlich vorbei; wir schwammen in jeder Hinsicht ganz oben.
Bedenken Sie die Macht, die wir hatten: Ein einfacher Befehl von einem von uns konnte Generäle und führende Kabinettsmitglieder, ja sogar Armeen mobilisieren. Wir durften Personal einstellen oder entlassen und Millionenbeträge in Behördenbudgets verwalten.
Und dann die Privilegien: Ein Anruf, und uns stand eine Limousine oder ein Düsenjet zur Verfügung. Die Nationalgalerie lieferte Gemälde, um unsere Bürowände zu schmücken; Kellner in roten Jacketts standen bereit, um uns vierundzwanzig Stunden am Tag Essen und Getränke zu servieren. Männer vom Geheimdienst waren immer in Sichtweite - so viele wir wollten.
Doch selbst die Aussicht, den Präsidenten zu gefährden - für dessen Wahl wir so hart gearbeitet hatten - und das Ansehen, die Macht und den Luxus zu verlieren, war nicht genügend Anreiz, um diese Gruppe von Männern dazu zu bringen, eine Lüge für sich zu behalten.
Auch war der Druck, wenn ich heute darüber nachdenke, gar nicht so groß. Zu dem Zeitpunkt hatte es sicherlich bereits moralische Verfehlungen gegeben, strafbare Handlungen, von einigen sogar Meineid. Sie würden sicherlich in große Verlegenheit kommen; schlimmstenfalls würden einige ins Gefängnis gehen, wenngleich das zu der Zeit keinesfalls wahrscheinlich war. Aber niemand befand sich in ernstlicher Gefahr; bei keinem stand sein Leben auf dem Spiel. Und doch war nach nur wenigen Wochen der natürliche menschliche Instinkt der Selbsterhaltung so überwältigend, daß die Verschwörer, einer nach dem anderen, ihren Anführer im Stich ließen, ihre gemeinsame Sache hinter sich ließen und der Macht, dem Ansehen und den Privilegien den Rücken kehrten.

Die Folgerungen für die Auferstehung Christi

Aber was hat all das mit der Auferstehung Christi und dem Christentum zu tun? Erstens benutzte Gott die Tragödie von Watergate, um mich zum Glauben an den auferstandenen Christus zu bringen. Watergate offenbarte mir, wie vergänglich Macht und Einfluß sind, und wie bedeutungslos sie angesichts persönlicher Verluste sein können. Ich hatte nach Macht und Einfluß getrachtet. Und doch ließen sie mich unerfüllt und sowohl persönlich als auch beruflich erschöpft zurück. Ich fand heraus, daß Jesus Christus etwas anbot, was Macht und Einfluß niemals bieten konnten.
Zweitens bot Watergate ein ausgezeichnetes geschichtliches Beispiel, das seltsamerweise zwingende Beweise für die Stichhaltigkeit der Auferstehung Jesu Christi und die Richtigkeit des Christentums lieferte. [...]

Die Lektionen von Watergate

Die moderne Kritik an der historischen Wahrheit der Auferstehung und des Christentums läuft auf die folgenden drei Thesen hinaus:

- Erstens, daß die Jünger sich geirrt hatten (d. h. sie sahen den auferstandenen Christus niemals); oder
- zweitens, daß die Jünger wissentlich ein Märchen (d.h. eine Lüge) erzählten, das als Symbol gedacht war; oder
- drittens, daß die elf Jünger eine ,,Passah-Verschwörung“ planten — sie ließen den Leib Christi aus dem Grab verschwinden und entledigten sich seiner auf schlaue Weise - und dann bis zum letzten Atemzug ihr verschwörerisches Schweigen aufrechterhielten.

Lassen Sie uns jede einzelne dieser Thesen prüfen.
Die erste ist am fragwürdigsten. Schließlich ist die Auferstehung eines Mannes von den Toten ein ziemlich außergewöhnliches Ereignis - das gehört nicht zu den Dingen, über die man sich eher unbestimmt oder unklar äußern würde. Die Schrift sagt sehr ehrlich, daß das Wiedererscheinen Jesu den Jüngern dermaßen den Atem verschlug, daß zumindest einer von ihnen einen fühlbaren Beweis haben wollte. Er wollte mit seinem Finger die Wunden in Jesu Händen und in seiner Seite betasten.
Jesus kannte die menschliche Natur und wußte, daß sie faßbare Beweise brauchten. Lukas sagt: ,,Diesen hat er sich auch nach seinem Leiden in vielen sicheren Kennzeichen lebendig dargestellt, indem er sich vierzig Tage hindurch von ihnen sehen ließ und über die Dinge redete, die das Reich Gottes betreffen“ (Apg. 1,3). Die Berichte über das Ereignis, die unabhängig voneinander von verschiedenen Augenzeugen geschrieben wurden, widerlegen die Behauptung, die Jünger hätten sich geirrt.
Aber hätte es ein Märchen sein können? Diese zweite Theorie erscheint zunächst plausibel, weil es im ersten Jahrhundert üblich war, religiöse Wahrheiten durch Symbole zu vermitteln. Aber das setzt voraus, daß alle Jünger verstanden, daß sie symbolische Mittel benutzten.
Selbst eine flüchtige Lektüre der Evangelien zeigt keine Allegorie oder Fabel, sondern einen ehrlichen Bericht. Darüber hinaus macht der Apostel Paulus, ein enger Mitarbeiter der ersten Jünger, die Mythos-These völlig zunichte, indem er argumentiert, daß, wenn Jesus nicht tatsächlich auferstanden wäre, das Christentum eine Heuchelei, eine Posse sei [1.Kor 15,3ff]. Nichts in den Schriften des Paulus weist auch nur im entferntesten auf Mythologie hin.
Die Mythos-Theorie ist genauso unhaltbar, wie die Theorie eines Irrtums. Wenn man also die Geschichtlichkeit der Auferstehung und damit die Gottheit Christi angreifen will, muß man den Schluß ziehen, daß es eine Verschwörung - wenn man so will, eine Tarnung - von elf Männern war, mit der Mittäterschaft von fünfhundert anderen (denn es wird berichtet, daß diese Anzahl von Menschen Augenzeugen der Auferstehung Christi waren [[1.Kor 15,6]]).
Um sich diesem Argument anzuschließen, muß man also bereit sein zu glauben, daß jeder Jünger willig war, von Freunden und Familie geächtet zu werden, täglich in Todesangst zu leben, Gefängnisaufenthalte zu erleiden, ohne einen Pfennig Geld und hungrig zu leben, die Familie zu opfern, gnadenlos gefoltert zu werden und schließlich zu sterben - ohne auch nur einmal zu widerrufen, daß Jesus von den Toten auferstanden sei!
Aus diesem Grunde ist das Watergate-Erlebnis für mich so lehrreich. Wenn John Dean [Rechtsberater von John Nixon] und wir anderen von solch panischem Schrecken erfaßt waren - nicht wegen der Aussicht auf Prügel und Hinrichtung, sondern auf politische Ungnade und einen möglichen Gefängnisaufenthalt - kann man über die Gefühle der Jünger nur Vermutungen anstellen. Anders als die Männer im Weißen Haus waren die Jünger machtlose Leute, von ihrem Lehrer verlassen, heimatlos in einem besiegten Land. Und doch hielten sie eisern an ihrer ungeheuer anstößigen Geschichte fest, daß ihr Anführer von seinem unrühmlichen Tode auferstanden sei und lebe - und daß er der Herr [Gott] sei.

Die wahre Natur der Menschen

Die Watergate-Tarnung offenbart, so meine ich, die wahre Natur der Menschen. Keine der Memoiren zeigt auf, daß irgend jemand aufgrund edler Ansichten zum Büro des Staatsanwalts gegangen sei - wie zum Beispiel, um die Verfassung über den Präsidenten zu stellen, oder um die Schurken der Gerichtsbarkeit zu übergeben, oder selbst aus moralischer Empörung heraus. Statt dessen sind die Bücher derer, die beteiligt waren, Vorträge über die Schwäche des Menschen. Selbst politische Fanatiker auf dem Gipfel der Macht werden in der Krise ihren eigenen Hals retten, auch wenn das zu Lasten desjenigen gehen könnte, dem sie, wie sie sagen, so eifrig dienen.
Ist es denn wirklich wahrscheinlich, daß eine bewußte Täuschung, eine Verschwörung mit dem Ziel, eine Lüge über die Auferstehung zu verewigen, die gewalttätige Verfolgung der Apostel überstanden haben könnte? Und dazu die genaue Prüfung durch Konzile der Urgemeinde, die abscheuliche Säuberungsaktion der Gläubigen im ersten Jahrhundert, die zu tausenden den Löwen vorgeworfen wurden, weil sie sich weigerten, die Herrschaft Christi zu leugnen? Ist es nicht vielmehr wahrscheinlich, daß zumindest einer der Apostel nachgegeben und Christus abgeschworen hätte, bevor er enthauptet oder gesteinigt wurde? Ist es nicht wahrscheinlich, daß irgendein Dokument als unwiderlegbarer Beweis beigebracht worden wäre, der die ,,Passah-Verschwörung“ aufgedeckt hätte? Sicherlich hätte sich einer der Verschwörer auf einen Handel mit den Behörden eingelassen.
Blaise Pascal, der außergewöhnliche Mathematiker, Wissenschaftler, Erfinder und Logiker des 17. Jahrhunderts, wurde von der Wahrheit Christi überzeugt, indem er die geschichtlichen Berichte las. In seinem Klassiker, Pensées, schrieb Pascal:
'Die Hypothese von den betrügerischen Aposteln ist recht absurd. Man denke sie einmal bis zum Ende durch: man stelle sich diese zwölf Männer vor, wie sie sich nach dem Tode Jesu Christi versammelten, und den Anschlag ausheckten, zu behaupten, er sei auferstanden. Sie greifen damit die öffentlichen Gewalten an. Das Herz der Menschen hat eine seltsame Neigung zur Leichtigkeit, zur Veränderung, zu Versprechungen, zum Besitz. Wenn nur einer von ihnen durch diese Lockungen zum Lügner geworden wäre, und - was mehr ist - durch die Gefängnisse, durch die Martern, durch den Tod, dann wären sie verloren gewesen.' [Gedanken von Blaise Pascal, nach der endgültigen Ausgabe übertragen von Wolfgang Rüttenauer, Dietrichsche Verlagsbuchhandlung Wiesbaden, S.268, Nr. 539]

Wie Pascal ganz richtig bemerkte, wird der Mensch in seinem normalen Zustand seine Überzeugungen genauso schnell verleugnen, wie Petrus Jesus vor der Auferstehung verleugnete. Aber - wie derselbe Petrus nach der Auferstehung entdeckte - gibt es eine Kraft jenseits des Menschen, die ihn dazu veranlaßt, alles zu verlassen. Es ist die Kraft des Gottes, der sich selbst in der Person Jesu Christi offenbart hat.
Die Beweislast zeigt mir, daß die Apostel tatsächlich die Wahrheit sagten: Jesus ist leibhaftig aus dem Grabe auferstanden; und er spricht heute wie damals mit der absoluten Autorität des allmächtigen Gottes.

Charles Colson, zit. bei Josh McDowell, Skeptiker suchen ihren Weg [engl. Original: Skeptics who demanded a Verdict], 1992, Francke Buchhandlung GmbH, Marburg, S.20-22+39-44

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